Konzert II – Frederic Rzewski mit „United People“

Konzert II

"Coming together" - Musik des Aufbruchs

Samstag, 19.05.18 um 20 Uhr Mulde des Ludwig Forum Aachen

Frederic Rzewski

Der in diesem Jahr 80 Jahre alt gewordene Komponist und Pianist Frederic Rzewski präsentiert persönlich seine legendären Variationen des Chilenischen Protestliedes: „The People United Will Never Be Defeated“.

Das 1973 von Sergio Ortega komponierte Freiheitslied „El pueblo unido jamás será vencido“ zum Text von Quilapayún wurde nach dem Putsch am 11. September in Chile zum Symbol des Widerstandes gegen Pinochet und sein Regime. Es steht bis heute weltweit für den Kampf gegen die Unterdrückung von Völkern und Menschen und wurde zum Symbol der politischen Linken Chiles.

1975 komponierte Frederic Rzewski 36 Variationen über das Thema und erschuf ein einstündiges, technisch extrem anspruchsvolles Klavierwerk, welches bei der 200-Jahr Feier der Vereinigten Staaten uraufgeführt wurde. Diese Uraufführung wurde damit zu einem kritischen Statement gegen die amerikanische Unterstützung der Militärjunta in Chile.





Karten Abendkasse: 20,- / 15,- (Ermäßigung für Schüler, Stundenten, Aachenpass)

„…als Rzewski selbst 1977 im WDR in der Konzertreihe „Neue Einfachheit“ seine Variationen über „The People United“ vorstellte: tonal, voller Melodik, Erotik, Wohlklang, reißerisch schwierig, hinreißend schön: da entsetzten sich die Kritiker und schalten ihn Verräter.

Einige der Schwierigkeiten in den Variationen über „The People United Will Never Be Defeated“ sind einfach nur fies, wie die 19. Variation mit den Stakkato-Verschiebungen. Andere sind ungreifbar, wie in der 34. Variation: weitestmögliche Lage beider Hände, Riesensprünge und Miniglissandi. Und dazu sollte dann auch noch klar und schön die unsichtbare dritte Stimme erklingen, diese Hymne der Bewegung des chilenischen Widerstandes, erfunden von Sergio Ortega, gesungen auf der ganzen Welt, übersetzt in alle Sprachen, die in Rzewskis Notenmeer immer wieder untergeht und wieder auftaucht und wieder untergeht: diese magische Melodie.

Der skandierte Sprechchor, mit dem „The People United“ traditionell bei den Demonstrationen auf der Straße begann, ist in kraftvolle Oktavgänge verwandelt worden. Das Marsch-Lied selbst, in Moll, sitzt auch bei Rzewski von Anfang an fest im Viervierteltakt-Korsett, aber auftaktige Triolen geben ihm einen leichtfertigen Twist mit auf den Weg, etwas Barmusikartiges, Chansonhaftes. Und dann geht es los: mit jeder neuen Variation weiter durch den Quintenzirkel. Nach einem von Rzewski entworfenen Modell über die Kunst des Improvisierens werden jeweils fünf Variationen in einer sechsten Variation zusammengefasst.

Es geht also um Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und um die Struktur des Erinnerns. Um „einfache Ereignisse“, „Rhythmen“, „Melodien“, „Kontrapunkt“, „Harmonien“ und schließlich um „Kombinationen aus alledem“. Der Grundbass aus Purcells „Music for a While“ taucht auf und verschwindet wieder. Eislers Solidaritätslied, die Bandiera Rossa, Jazz und Pop. Alles drin. Das letzte Variationenpäckchen zieht die Summe aus dem Ganzen, anschließend darf improvisiert werden. Und wenn sie danach noch einmal, zum allerletzten Mal wiederkehrt, diese Melodie, pur und allein, wie das Thema in Bachs Goldbergvariationen wiederkehrt, dann ist das wie ein Amen. Oder: Basta.“ Eleonore Büning (FAZ 21.4.12)